Die Geschichte des MV Hontheim

Unsere Chronik erzählt aus der Sicht der "alten Tuba". Von der Gründung des Vereins im Jahre 1905, über Weltkriege, der Wiedergründung, Auftritte, Ausbildungen, Ehrungen, Festen,....... bis zum heutigen Tag.

 

Nicht nur schöne, auch viele traurige Momente durchläuft ein Verein. Nehmen Sie sich etwas Zeit und erfahren Sie mehr den MV Hontheim. Eine Erzählung aus der Sicht der "Alten Tuba"

 

Instrumente sind das Wichtigste für einen Musikverein, und die Chronik des Musikvereins Hontheim wird zeigen, dass wir auch hier unsere besondere Rolle gespielt haben. Ein Chor hat natürlich Instrumente, die Stimmen. Wir dagegen werden kunstvoll angefertigt, müssen gepflegt werden, und das alles kostet Geld, das von den Vereinen oft mühevoll aufgebracht werden muss. Natürlich sind wir bei allen großen Ereignissen dabei, und so kann ich auch im Namen meiner „Kollegen“ die bisherige Vereinsgeschichte in einem Rückblick zusammenfassen.

 

1905 legten Jakob Daniel, Peter Thullen, Hubert Graf und Caspar Kessler den Grundstein für den späteren Musikverein. Allerdings konnten wir nur auftreten, wenn wir Verstärkung aus unseren Nachbarorten erhielten.

 

1908 kamen dann weitere aktive Musiker dazu: Heinrich Zeimetz, Peter Simonis, Philipp Steffens und Clemens Matthias, die mit den oben genannten unter der Leitung von Jakob Daniel spielten, der in Trier als Soldat Spielmann bei der Regimentsmusik war. Wir, also die ersten Instrumente, hatten eine lange Reise nach Hontheim antreten müssen. Wir waren in Hamburg Altona bestellt und erst einmal nach Bad Bertrich gebracht worden. Dort wurden wir auf einen Handkarren geladen und ins Dorf gebracht.

 

1914 setzte der 1. Weltkrieg allem ein jähes Ende. Sechs Jahre musste ich in meiner dunklen Hülle verbringen. Meine Ventile drohten einzurosten. Sollte das mein ganzes Instrumentenleben gewesen sein?

 

1920 aber wagten Jakob Daniel und Heinrich Zeimetz einen zweiten Anfang. Am 12. September wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet, in die der Musikverein integriert wurde. Jetzt gehörten wir sogar einem Verein an! In den folgenden Jahren spielten wir bei vielen Festen in der Gemeinde und den Nachbarorten.

 

1936 traten einige Mitglieder eines schon seit 10 Jahren bestehenden Mandolinenclubs uns bei. Das verstärkte zwar unsere Besetzung, aber was sollten denn Mandolinen bei uns? Neue Instrumente – Blasinstrumente! Waren erforderlich und wurden gekauft. Bei den folgenden Auftritten dirigierte uns Josef Clemens. Zu den jetzt 14 Aktiven zählte neben den vorher genannten: Peter Götten, Peter Zeimetz, Josef Haubrichs, Matthias Sartoris, Heinrich Junk und Jakob Simonis. Kaum hatten wir diesen Höhepunkt erreicht, kam wieder eine traurige Zeit.

 

1940 waren die Männer als Soldaten im Krieg. Der Krieg war schlimm. In meiner dunklen Kiste spürte ich die Erschütterungen, hervorgerufen durch abgeworfene Bombe. Die fröhlichen Fest bleiebn aus, und mir schien, dass wohl kaum wieder jemand unsere feierlichen und fröhlichen Klänge würde hören wollen.

 

1946 – welch eine Überraschung: Eines Tages öffnete sich der Deckel. Ich wurde liebevoll herausgenommen, von allen Seiten begutachtet, und hoffnungsvoll versuchte ich ein bißchen zu glänzen. Der junge Mann, der vorsichtig meine Ventile ausprobierte – sie bewegten sich anfangs garnicht, dann nach und nach noch steif, aber immer besser – war Gottfried Zeimetz. Er hatte schon als Kind des öfteren abends heimlich bei Proben in seinem Elternhaus zugehört, und wenn er dabei erwischt worden war, auch die eine oder andere Strafpredigt dafür in Kauf genommen. Das schien ein hoffnungsvoller Augenblick zu sein! Als er mich dann vorsichtig anblies, musste ich mich erst etwas räuspern, ich hatte schließlich viel Staub geschluckt, aber nach einigen Tönen vibrierte mein Rohr wieder. Gottfried Zeimetz ergriff die Initiative und baute zusammen mit Franz Diedrich, Ferdinand Graf und Ernst Hammes den Verein neu auf. Ernst wurde mein bester Freund, weil er immer gut aufgelegt war. Ich durfte sogar hier und da ein Solo spielen, das nicht auf dem Blatt stand, und in den Proben waren wir beide das lustigste Gespann.

 

1947 – 1949 kamen folgende aktive Mitspieler dazu: Gottfried Steffens, Alfons Ehlen, Remi Steffens, Josef Schneider sowie zeitweise Josef Diedrich und Peter Risch an der Pauke. Zunächst bot der Krieg noch traurige Anlässe für die musikalischen Auftritte. Wir spielten zur Ehre der Kriegsgefallenen, deren Meldungen auch nach Kriegsende immer noch eintrafen. Aber auch Spätheimkehrer aus russischer Gefangenschaft wurden mit Musik zu Hause begrüßt, wie z. B. Ludwig Wagner im Jahr 1953. Nach und nach aber rückten Tanzmusik und fröhliche Ereignisse in den Mittelpunkt des Vereinslebens. Seit 1953 spielte auch Paul Schneider bei uns am Tenor mit.

 

Noch mit einer nachträgliche Gänsehaut denke ich an die Jahre 1958 – 1960 zurück. Einige Jugendliche traten dem Verein bei; darunter befanden sich tatsächlich einige Fanfarenbläser! Aber die Fanfaren passten einfach nicht zum Klang unseres Musikvereins. Unser Dirigent hatte ein gutes Ohr dafür, und anstelle der Fanfaren wurden Ventilinstrumente angeschafft. Wir wurden zum Teil sehr nobel ergänzt, aus dem heute noch feinen Haus „Alexander Mainz“. „Das war ein Sound“, würde die Jugend von heute wohl sagen. Unsere neuen Mitspieler waren : Edmund Sartoris, Alfons Steffens, Oswald Haubrichs, Oswald Meerfeld, Robert Komes, Heinrich Junk, Ludwig Lahnert, Heinz Clemens und Erich Immik. Helmut Fritzen half als Klarinettist ab und zu aus.

 

1969 Vom 24.-26. Mai feierten alle Ortsvereine zusammen ein großes Fest für die Kirche. Der Reinerlös war für die geplante Renovierung der Pfarrkirche bestimmt. Im Musikverein herrschte gute Stimmung, weil seit zwei Jahren 10 Jugendliche (Matern Diedrich, Norbert Diedrich, Reinhard Diedrich, Peter-Josef Götten, Erhard Hademer, Friedhelm Hommes, Jörg Sartoris, Martin Wilms, Josef Zeimetz und Werner Zeimetz) wie wild übten, um bei uns mitspielen zu können.

Unser Problem hieß aber wieder einmal: Zu wenig Instrumente. Über 6.000,- DM waren notwendig, um die neuen Mitspieler auszustatten. Um diesen Betrag zu finanzieren, wurden öffentliche Institutionen und Förderer des Musikvereins um Spenden gebeten, aber auch ein großes Fest geplant.

 

1970 war es dann soweit. Am 9. Mai riefen wir um 20.00 Uhr zur Eröffnung unseres Festes, das 2 Tage dauerte und das ganze Dorf auf die Beine brachte. Besonders eindrucksvoll klang der Bass, verstärkt durch eine neue, dicke, große B-Tuba. Das Fest für den nachwuchs war ein grandioser Erfolg und fand begeisterte Resonanz. Zwanzig inaktive Mitglieder traten in dieser Zeit dem Verein bei, zwei Jugendliche, Jürgen Risch und Klaus Sederkvist, übten das Klarinettenspiel. Und Ludwin Wagner kam zu uns als Es-Hornbläser. Zudem flossen zahlreiche Spenden, so dass nach der Abrechnung und Begleichung der Instrumentenrechnung noch Geld übrigblieb.

 

1971 Die Idee kam auf, sich nach uniformen für den Verein umzuschauen. Es wurde ausgesucht und probiert und schließlich bei einer Müdener Kleiderfirma bestellt.

 

1972 Einen würdigen Anlass zur Vorstellung unserer neuen, blauen Jacketts mit grauer Hose bot das Musik- und Sängerfest vom 29. April – 1. Mai unter dem Protektorat von Landrat Dr. Gestrich, dessen Erlös zur Mitfinanzierung des Kreuzweges in der gerade renovierten Pfarrkirche bestimmt war.

 

1973 bekamen wir die ersten weiblichen Mitspielerinnen. Leonie Götten und Bernadette Sartoris-Götten spielten bei uns Saxophon und brachten gleich ihren Ausbilder Karl Bastgen aus Olkenbach als Saxophonisten mit in den Verein. Erhard Junk wurde unser Mitspieler an der Konzertrommel. Damit wehte ein neuer Wind im Verein.

 

1976 Zum Musik- und Sängerfest vom 22. - 23. Mai hatte Gottfried Zeimetz, der ja nicht nur unser Dirigent und Vorsitzender sondern auch Leiter des Kirchenchores war, eine Neuvertonung des Liedes „Die romantische Eifel“ für diese beiden Gruppen geschrieben. Unter der Mitwirkung des MGV Olkenbach, den Gottfried Zeimetz ebenfalls dirigierte, erklang dieses Stück zur Eröffnung unseres Musikfestes.

 

1977 Auf der Generalversammlung am 28.01 wurde beschlossen, im Ort nochmals gezielt Jugendliche anzusprechen und für den Verein zu werben. Dieser Aufruf hatte sofort Erfolg. Neun Jugendliche (Markus Götten, Wolfgang Götten, Jürgen Haubrichs, Walter Junk, Peter Neukirch, Kajo Risch, Wolfgang Sauer, Thomas Scheid und Georg Steffens) meldeten sich spontan und erlernten vor allem das spielen auf Holzblasinstrumenten. Günter Gessinger spielte unsere Konzerttrommel.

 

1978 bekam ich einen neuen Nachbarn im Verein: ein Schlagzeug, das von Edgar Perling gespielt wurde und mich fortan beim Rhythmus halten sehr unterstützte. Der Musikverein besaß mittlerweile 33 aktive Mitspieler, und es war wichtig die Neuankömmlinge möglichst schnell zu integrieren..

 

1981 ein weiterer Zustrom von jugendlichen (Ulrike Götten, Frank Immig, Rainer Schmitz, Albert Schneider und Anneliese Wilms) wurden an Trompete, Saxophon und Klarinette ausgebildet. Etwas besonderes gab es aus diesem Jahr noch zu berichten, denn ich bekam noch einmal Verstärkung. Reinhod Zasada wurde seit dieser Zeit ein guter Kumpel meines Ernst. Ein Jahr erhielt er sogar einen ganz neuen Es-Bass, der von einem großen Gönner des Vereins gespendet wurde.

 

1982 feierten wir wieder ein größeres Fest. Am 4./5. September ehrte der Vorsitzende des Kreismusikverbandes Rudolf Müller 19 Aktive für ihr langjähriges Mitwirken in unserem Verein. „Der Musikverein Hontheim auf Erfolgskurs“ war in der Zeitung zu lesen.

 

1983 Die ersten Uniformen hielten, besonders im Sommer, stets viel zu warm. Auch Ernst schwitzte unter meiner schweren last bei Festzügen oft fürchterlich. Deshalb entschloss sich der Musikverein, eine neue Uniform anzuschaffen. Rote Boleros mit schwarzer Hose, die bis heute unser äußeres Bild bestimmen, wurden ausgesucht. Auch die Jugendausbildung musste fortgeführt werden, weil, bedingt durch Ihre Berufsausbildung, stets Mitglieder den Verein verließen. Stefan Dauns, Gerd Hommes, Joachim Kaspers, Nathalie Klabe, Johannes Risch, Ralf Wagner und Florian Wagner wurden noch vereinsintern ausgebildet.

 

1986 Am 14. März wurde in einer Generalversammlung eine Vereinssatzung verabschiedet. Die uns als gemeinnützigen Verein auswies. Dies war eigentlich nur die Formale Festsetzung dessen, was wir über Jahre hinweg schon praktizierten.

 

1987 das 40-jährige Vereinsbestehen nach dem 2. Weltkrieg konnte gefeiert werden. Gottfried Zeimetz und Ernst Hammes, mein Ernst also, erhielten den Ehrenbrief des Landesmusikverbandes mit Goldnadel für 40 Jahre. Ein Festzug führte uns durch das Dorf.

 

1988. Die ganze Gemeinde feierte vom 16. - 19. Juni 850jähriges Bestehen. Zwei schon ausgebildete Mitspieler traten in unseren Verein ein. Hans-Jürgen Sederkvist als Schlagzeuger und Mario Diedrich als Posaunist.

 

1990 Am 07.04. hatten wir den Höhepunkt in der Vereinsgeschichte:

An dem stattfindenden Musik- und Liederabend in unserer Bürgerhalle überreichte der Vorsitzende des Kreismusikverbandes, Herr Densborn, Gottfried Zeimetz die selten verliehene Fördermedaille in Gold für seinen unermüdlichen Einsatz im Dienste der Volksmusik. Für ebenfalls langjährigen Einsatz wurden noch viele weiter Aktive geehrte.

Der Aufruf zur Jugendausbildung Ende 1989 wurde von acht Jugendlichen aufgegriffen. Seit September 1990 wurden Nancy Rach, Karsten Diedrich, Christoph Götten sowie Torsten Götten, Marco Rach, Stefan Wilms, Christian Zeimetz und Michael Zeimetz von Jörg Buchwitz über den Kreismusikverband ausgebildet. Erwin Clemens trat als Tenorhornspieler in den Verein ein, und auch unsere Frauen erhielten nochmals Verstärkung durch Gertrud Götten und Monika Rach am Saxophon.

 

1991 war für uns das Jahr vieler personeller Veränderungen.

Aus gesundheitlichen Gründen musste mein Ernst das Tubaspielen aufgeben, was ihm sehr schwer viel. Er wurde am 24.08. im Rahmen eines gemütlichen Abends aller Aktiven und Inaktiven des Vereins feierlich verabschiedet.